Im Interview: Markus Wäger

Markus Wäger

Den bekannten Buchautor und Dozenten Markus Wäger habe ich ein paar interessante Fragen gestellt. Im Interview erfährt man wie er zum Fotografieren gekommen ist, wo er sich Anregungen für seine Bücher holt und was man rund um Umgang mit Photoshop beachten sollte.

Hallo Markus. Bitte stell dich meinen Lesern kurz vor.

Mein Name ist Markus Wäger. Ich bin seit 1997 als Grafikdesigner selbständig. Seit 2005 unterrichte ich Adobe InDesign, Photoshop und Illustrator, einen Crash-Kurs zum Thema »Grafik und Gestaltung«, eine Fotokurs und gemeinsam mit einem Team aus andere Fachleuten einen berufsbegleitenden Werbelehrgang. 2007 erschien mein erstes Buch über Photoshop, dem seither vier weitere folgten – am fünften Nachfolger zu Photoshop CC 2015 arbeite ich gerade. Weiters habe ich ein Grundlagenwerk über »Grafik und Gestaltung« geschrieben, ein paar Fotoschulen zu verschiedenen Kameras von Nikon und Olympus und eine generelle Fotoschule.

Als Berufsbezeichnung führe ich noch immer Grafiker, aber eigentlich bin ich in erster Linie Autor und Dozent.

Wann und wie bist du zum Fotografieren und dem Grafikdesign gekommen?

Eigentlich von Kindesbeinen an. Ich zeichnete als Kind viel, unter anderem auch Comics. Fotografieren hat mich auch schon als Kind interessiert – wahrscheinlich weil mein Vater so einen tollen Fotoapparat hatte. Aber später ging es dann zunächst einmal in Richtung Grafikdesign.

Zwar haben wir als Grafiker schon früh die Digitalfotografie adaptiert um Entwürfe zu visualisieren – Jahre bevor die erste digitale Spiegelreflex auf den Markt kam. Aber so richtig ambitioniert habe ich mit der kreativen Fotografie erst begonnen als im Rahmen meiner Photoshop-Kurse immer mehr Fragen zu dem Thema kamen.

Bildgestaltung – das interessierte mich zuvor schon. Nur die Auseinandersetzung mit der Technik Digitalkameras vertiefte ich erst ab der Zeit. Ja, und dann kam eine Anfrage ob ich – nach dem Erfolg meines ersten Photoshop-Buches – nicht auch ein Buch über eine Kamera schreiben wolle: Über die Nikon D700.

Welches Projekt im Bereich der Fotografie war dein bisher Anspruchvollstes?

Ich bin ja kein Auftragsfotograf sondern kann fotografieren was ich will. Das anspruchsvolle an meiner Arbeit ist das Entwickeln didaktischer Konzepte um bestimmte Themen zu vermitteln. So auch Fotografie.

Ich hatte niemals große Lust ein Buch so zu schreiben wie es schon welche gab. Wozu auch? Auslöser für meine Fotoschule war, dass ich selbst mit keinem Grundlagenwerk wirklich zufrieden war. Es gibt viele gute Werke über Fotografie – keine Frage! Aber ich kann mir an kein Buch erinnern, das mir Technik und Theorie wirklich bezogen auf die Praxis erklärt hätte.

Alle Fotoschulen gehen die Sache von der gleichen Seite an: Das ist die Blende, die macht das und das. Aber wer geht denn wirklich hinaus zum Fotografieren und überlegt: Ich habe diese Blende – was könnte ich damit ablichten? Die Frage ist doch vielmehr: Ich habe da dieses Motiv. Wie kann ich es am besten kreativ inszenieren? Und welche technischen Einstellungen, also z.B. auch welche Blende, nehme ich dafür.

Solche Konzepte zu entwickeln ist enorm viel Arbeit. In meinem Buch »Grafik und Gestaltung« stecken in beiden Auflagen zusammen etwa 2000 Stunden. Das Konzept meiner neuen Fotoschule – »Die kreative Fotoschule« – dürfte über sein Vorgängerwerk und die Kamerabücher zusammen auch etwa diesen Umfang an Zeit zu reifen gehabt haben.

Welche Software setzt du am liebsten für die Bildbearbeitung ein?

Photoshop natürlich. Allerdings ist es mittlerweile so eine Art Hass-Liebe. Das Programm ist großartig und bislang einzigartig. Aber die Art wie Adobe das jetzt vertreibt und pflegt ist mir ein Gräuel. Photoshop war bei mir niemals instabil – jetzt ist es.

Du betreibst einen Blog. Was genau findet man dort?

Er wuchert wild vor sich hin. Gestartet ist das Ganze als reine Design-Blog. Mittlerweile liegt der Schwerpunkt aber absolut auf der Fotografie.

Natürlich berichte ich über meine Buch-Projekte und Kurse. Aber ich möchte den Besuchern auch einen Nutzen liefern – wäre ja sonst kein Blog, finde ich.

Ich leihe gelegentlich neue und aktuelle Kameramodelle aus die mich interessieren und vermittle dann meinen persönlichen Eindruck. Das hat nichts mit objektiven Tests zu tun. Darin brauche ich Seiten wie dxomark.com oder dpreview.com keine Konkurrenz zu machen. Ich schreibe vielmehr darüber was ich an den Apparaten subjektiv gut und weniger gelungen finde.

Auflösung beschäftigt mich immer wieder – diesem Thema habe ich mich schon häufig gewidmet.

Und gelegentlich berichte ich von meiner Ausrüstung. Mein System ist MFT, also liegt der Schwerpunkt naturgemäß auf Kameras von Olympus und Panasonic.

Wohin soll es mit deinem Blog in der Zukunft noch hingehen?

Ein Podcast über Capture One würde mich reizen. Seit Apple Aperture für tot erklärt wurde arbeite ich wieder damit – und mittlerweile bin ich froh, dass Aperture verstorben ist.

Du hast eine Reihe von Büchern geschrieben. Welches davon liegt dir besonders am Herzen?

Zwei: »Grafik und Gestaltung« und »Die kreative Fotoschule«. Aber irgendwie auch alle. Ich würde sie sonst nicht schreiben.

Woher holst du dir Ideen und Anregungen für deine Bücher?

Aus meiner eigenen Erfahrung und meinem eigenen Bedarf. Wenn mich ein Thema interessiert und ich eine Lücke sehe dann ist das eine gute Anregung ein Buch zu schreiben. Typografie beispielsweise interessiert mich sehr, aber über Detail- und Lesetypografie gibt es zwei so exzellente Bücher – ich wüsste nicht was ich dem noch hinzufügen könnte.

Du hälst auch Fotokurse. Bitte erzähle mir mehr darüber.

Das gibt es eine Seite auf meinem Blog: http://www.markuswaeger.com/kurse/kreative-fotoschule/

Zum Schluss würde ich mich noch über 3 Tipps freuen, die man deiner Meinung nach beim Umgang mit Photoshop berücksichtigen sollte.

1. Die richtige Antwort auf jede zweite Frage in Photoshop lautet: Ebenenmaske

2. Soweit als möglich immer alles nicht-destruktiv bearbeiten

3. Praktizieren, praktizieren, praktizieren

Vielen Dank Markus für das nette Interview!