Interviewt – Henning vom lapplandblog.eu

Lapplandblog

Henning war so nett und hat mir ein paar Einblicke in sein Leben und seine Arbeitsweise als professioneller Fotograf in Lappland gegeben. Herausgekommen ist ein sehr interessantes Interview.

Hallo Henning. Bitte stell dich meinen Lesern doch kurz vor.

Ich bin Fotograf bzw. Fotojounalist mit der Spezialisierung auf den Tourismus- und Reisebereich in Lappland. Dort wohne ich mit meiner Familie seit inzwischen 8 Jahren.

Warum eigentlich Nordschweden?

Kurze Antwort: Für mich und meine Familie schlicht der beste Platz auf der Welt.

Wann hat dich das Fotografie-Fieber gepackt?

Zugegeben eine klassische Frage. Und Du bekommst eine ganz klassische Antwort: Mein Vater drückte mir die erste Kamera vor einem Schulausflug in der ersten Klasse in die Hand. Da war es geschehen. Lange Jahre war ich schon als Teenager für meine Portraits berühmt (und vielleicht auch berüchtigt) die ein Soziogramm der dargestellten Personen zeichneten. Meine Spezialität war es, essende Menschen zu fotografieren. Beim Essen erkennst Du den Charakter und die Seele eines Menschen.

Du betreibst den Blog lapplandblog.eu. Was genau findet man dort?

Im Lapplandblog teilen wir Ansichten und Einsichten aus dem Alltag in Lappland. Wenn ich sage „wir“, dann sind das meine Frau, mittlerweile als Frau Lapplandblog bekannt, und ich. Von kleinen Alltagserlebnissen bis zu Outtakes aus kommerziellen Reportagen bloggen mit einer grossen Bandbreite. Da wir viel im Tourismus fotografieren, ist „Travel“ wahrscheinlich der geeignete Sammelbegriff.

Seit wann ist dein Blog online und wie waren die Anfänge?

Die erste Version erblickte im Juni 2007 das Licht der Welt. Ursprünglich wollten wir daheim gebliebenen Freunden und unseren Familien einen Einblick in unsere neues Leben am Polarkreis geben.

Der Fokus erweiterte sich nach und nach.

Erzähl mir doch bitte ein bisschen mehr über dein Fotografie-Projekt „The city never sleeps“.

In „The city never sleeps“ geht es um Stockholm, die Hauptstadt von Schweden. Stockholm hat mich schon immer sehr fasziniert. Einerseits eine Weltstadt, in der es von Menschen wimmelt und durch die sich zu jeder Jahreszeit Massen von Touristen quetschen. Anderer Seits herrscht in Stockholm ein richtig international gelebtes Flair, welches die tiefgründigen-melancholischen Nuancen erfühlen lässt.

Vergangenes Jahr war ich mehrere Tage in einem sehr zentral gelegenen Hotel auf dem Kungsholmen untergebracht und wollte nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag einfach nur meine Ruhe. Instinktiv habe ich zur Kamera gegriffen und beschlossen, einen langen Spaziergang zu machen. Und da war dann plötzlich – relativ spät am Abend – diese andere Seite der Stadt, die leeren Strassen und die Nachtmenschen, die in Clubs oder in Cafès verschwanden.

In meinen persönlichen Projekten zieht es mich seit der Serie „Forgotten places and lost families“ (2012-2013) an einsame Orte, an denen eine „vergessene Energie“ schlummert. Diese Orte gibt es in schwedisch Lappland häufig. Das ist schon dadurch bedingt, dass die Landschaft uns somit ihre Natur extrem weitläufig sind.

Und genau diese Stimmung habe ich auf den nächtlichen Straßen Stockholms wieder gefunden. Nach einiger Zeit habe ich dann auch viele andere sehr zentrale „Orte der Ruhe“ gefunden, die auch bei Tageslicht faszinierend waren.

Auch die reine fotografische Arbeit in schwarz/weiss übt eine geradezu magische Anziehungskraft auf mich aus. Bei der kommerziellen Arbeit wird schwarz/weiss – zu meinem grossen Bedauern – leider nur sehr selten nachfragt. Aber diese Reduktion auf das Wesentliche, die sich innerhalb dieser Art von Fotografie wieder spiegelt ist für mich durch beinahe nichts zu überbieten.

Systemkamera, DSLR oder vielleicht doch eine Bridgekamera? Was setzt du am liebsten ein?

Das, was am besten zum Job passt. Ich liebe gute optische Sucher, was mich immer wieder zur DSLR zieht. Aber das Herumschleppen der relativ schweren Ausrüstung hat mich über die Jahre mehr und mehr genervt. Deswegen bin ich im vergangenen Jahr für den Grossteil der Arbeit auf M4/3 umgestiegen. Im Bereich Travel wird heutzutage viel nur noch im Web publiziert. Die rein technischen Anforderungen an Bilder sind dadruch gesunken und häufig fotografiere ich deswegen auch einfach mit dem iPhone. Das ist unglaublich entspannend, weil das mittlerweile als „sozialadäquat“ anerkannt ist. Niemand stellt Fragen, wenn Du mit dem Smartphone unterwegs bist. Mit einer „richtigen“ Kamera erweckst Du immer noch Aufsehen und ziehst Blicke auf Dich, was bei der Arbeit oft kontraproduktiv sein kann.

Auf der privaten Seite greife ich meistens zu irgendeiner Kamera, die gerade in der Nähe ist. Und wie es sich in einem guten Fotografenhaushalt gehört, liegen an allen strategisch wichtigen Orten Kameras griffbereit.

Auf deinem Blog schreibst du viel über die Software Photo Ninja. Wozu benötigt man diese?

Photo Ninja ist ein RAW-Developer, mit dem Du Aufnahmen von RAW in JPGs umwandeln kannst. Von der Qualität der Ergebnisse her ist für mich Photo Ninja die „Crème de la Crème“. Manchmal musst Du das Beste aus Deinen Aufnahmen und die bestmögliche Qualität heraus holen. Dann ist Photo Ninja das Mittel der Wahl. Wenn es eher schnell gehen muss, greife ich stattdessen zu Aperture oder DxO Optics. Lightroom mag ich persönlich nicht.

Wo soll es mit lapplandblog.eu zukünftig noch hingehen? Was ist geplant?

Wenn ich in die Zukunft blicken könnte, würde ich den Beruf wechseln 🙂

Im Ernst: Ich weiss es nicht. Solange uns das Bloggen Spass macht, und wir genügend Zeit dafür frei schaufeln können, machen wir weiter. Stay tuned!

Zum Schluss würde ich mich noch über 3 Tipps freuen, die man deiner Meinung nach bei der Fotografie in Skandinavien beherzigen sollte.

Tipp 1: Im Sommer ist guter Insektenschutz das A und O, denn ein von Mücken geplagter und genervter Fotograf produziert selten gute Bilder.

Tipp 2: Zeit nehmen. In Skandinavien ticken die Uhren deutlich langsamer. Und dieser Umstand schlägt sich in allen Lebensbereichen nieder.

Bringe somit genug Zeit mit und sei Dir im Klaren darüber, dass „langsame Zeit“ in Geduld umschlägt. Diese Kombination lässt ganz neue Motiverlebnisse vor Deiner Linse entstehen.

Tipp 3: Wenn Du planst im Winter nach Skandinavien zu reisen, mache Dich vorher damit vertraut, wie sich Dein Equipment bei Kälte verhält. Wir haben hier oft minus 20 bis minus 30 Grad. Elektronik und Mechanik „zicken“ unter solchen Witterungsverhältnissen. Deine Batterien haben vielleicht nach nur fünf Bildern keine verwertbare Ladung mehr. Langzeitbelichtungen können dadurch z. B. sehr herausfordernd sein.

Das alles solltest Du in kalten Winterperioden zu Hause schon einmal ausprobieren, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Und die richtige Kleidung ist natürlich auch wichtig. Zu allen diesen Fragen haben wir schon viele Artikel im Blog geschrieben.