Tipps & Tricks zum Fotografieren mit ND Filtern

Ein ND Filter (Neutral Density Filter, Graufilter, Neutraldichtefilter) ist eine getönte Scheibe aus Glas oder Kunststoff, die vor das Objektiv eines Fotoapparats gesteckt wird. Er funktioniert ähnlich wie eine Sonnenbrille und dient der gleichmäßigen Abdunkelung eines Bildes und der Realisierung langer Belichtungszeiten bzw. großer Blendöffnungen.

Tipps & Tricks zum Fotografieren mit ND Filtern

Foto: pixabay.com

Einteilung der Filterstärken

Grundsätzlich kann die Stärke eines ND Filters auf vier verschiedene Weisen angegeben werden:

  • Stärke (z.B ND0,9; ND3,6): Wert, der sich an der logarithmischen Dämpfungsskala orientiert und ohne besonderer praktischer Bedeutung ist

 

  • Lichtdurchlass (z.B. 50%; 0,01%): Anteil des vom Filter durchgelassenen Lichts
  • Blendstufe (z.B. 3; 14): Anzahl der Blenden, um die der Filter abdunkelt
  • Verlängerungsfaktor (z.B. 8x; 1600x): Zahl, mit der die Belichtungszeit multipliziert wird, um für eine richtige Belichtung zu sorgen

Vor- und Nachteile von Schraub- bzw. Steckfilter

ND Filter können entweder vor das Objektiv geschraubt oder gesteckt werden, wobei beide Varianten Vor- und Nachteile besitzen.

Schraubfilter

Ein Schraubfilter eignet sich immer dann, wenn höchstens ein Filter für die Aufnahme verwendet wird. Klassische Beispiele sind Situationen, in denen die Bedingungen mehr oder weniger konstant bleiben, wie unter anderem bei Potraitaufnahmen. Darüber hinaus ist die Anschaffung von Schraubfiltern günstiger als von Steckfiltern und bietet sich daher speziell für Anfänger an, die den ND Filter zunächst kostengünstig ausprobieren wollen.

Steckfilter

Der etwas teurere Steckfilter ist für Aufnahmen geeignet, bei denen oft, rasch und flexibel der Filter gewechselt wird. Er wird sowohl aus Glas als auch aus Plastik angeboten. Der Vorteil von letzterem ist, dass er leichter ist und weniger schnell zerbricht. Auf der anderen Seite besteht eine größere Gefahr, dass die Scheibe zerkratzt.

Positive Auswirkungen eines ND Filters

ND Filter bei Spiegelreflexkameras

Foto: © rollei.de

Die Nutzung eines ND Filters sorgt für eine größere Blendenöffnung und eine Verlängerung der Belichtungszeit. Obwohl die gewollte Abdunkelung zunächst etwas merkwürdig erscheint, sind zahlreiche kreative Effekte möglich. Ein klassisches Beispiel, das viele Hobbyfotografen ärgert, sind Gebäude- oder Landschaftsaufnahmen, die von vorbeigehenden Passanten gestört werden. Der ND Filter schafft hier Abhilfe und kann störende Personen aus dem Bild herausfiltern. Andere Einsatzmöglichkeiten sind unter anderem bei der lebendigen Darstellung von vorbeiziehenden Wolken oder fließendem Wasser. Auch bei Portraits kann der ND Filter eingesetzt werden, wenn beim Fotografieren mit offener Blende die richtige Belichtung aufgrund der Blitzsynchronzeit bedacht werden muss.

Wie die Aufnahme mit einem ND Filter funktioniert

Je nach Filterstärke und gewünschter Wirkung gibt es bei der Verwendung eines ND Filters einige Dinge zu beachten.

Kamera korrekt einrichten

Aufgrund der Langzeitbelichtungen bei Verwendung von ND Filtern ist grundsätzlich stets auf ein Stativ zurückzugreifen. Bei dem Einsatz einer Spiegelreflexkamera sollte zusätzlich eine Okularabdeckung bereitgehalten werden.

Grundlegende Belichtungswerte

Bei der Nutzung von besonders starken ND Filtern funktioniert die Kamerasensorik nicht mehr richtig. Aus diesem Grund sollten die Kameraeinstellungen zunächst ohne ND Filter eingerichtet werden.

Berechnung der Belichtungszeit mit ND Filter

Nach der Ermittlung der Basis-Belichtungseinstellungen wird der gewünschte ND Filter ausgewählt und die neue Belichtungszeit errechnet. Dabei kann entweder auf eine Tabelle oder eine spezielle App zurückgegriffen werden. Das nachfolgende Beispiel soll der besseren Verständlichkeit dienen:

Belichtungswert ohne Filter: f8 1/15 Sekunden
Filter: ND1.8
Belichtungszeit mit ND Filter: 1/15s x 64 = 4 Sekunden

In diesem Beispiel wird die Lichtmenge durch den ND Filter um sechs Blendstufen reduziert. Aus diesem Grund muss die Belichtungszeit inklusive Filter 64 Mal länger sein.

Für die perfekte Aufnahme ist zusätzlich auch noch Folgendes zu beachten:

  • Verwendung der Spiegelvorauslösung
  • Einsatz des Fernauslösers
  • Abdeckung des Suchers
  • Bildstabilisator abschalten

Alternative Ermittlung der Belichtungszeit

Eine weitere Methode zur Ermittlung der Belichtungszeit bietet sich für alle jene an, die statt mit einer DSLR zu arbeiten auf eine Systemkamera zurückgreifen. Dazu werden (möglicherweise nicht funktionierende) Messsensoren für die Belichtung oder den Autofokus ignoriert und lediglich der Bildsensor eingesetzt. Die Spiegelreflexkamera wird dazu im Live View Modus verwendet, was sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt.

Vorteile

  • Beurteilung der Schärfe mit maximalem Zoom am Display möglich
  • Schärfe kann an jeden Punkt gesetzt werden
  • Belichtungsverteilung wird vom Histogramm angezeigt

Nachteile

  • Einstellung der Zeit nur bis 30 Sekunden möglich
  • Rauschverhalten leidet aufgrund des sich erwärmenden Sensors
  • stärke Akkubelastung

Belichtungszeit mit einem Timer festlegen

Die richtige Belichtungszeit bei der Verwendung eines ND Filters kann beispielsweise per Fernauslöser und Stoppuhr eingestellt werden. Da dies nicht besonders komfortabel ist, bietet sich die Verwendung eines Timers an. Dieser beendet die Belichtung automatisch nach der vorher eingestellten Zeit.

Kalibrierung des ND Filters

Bei einigen ND Filtern entspricht der tatsächliche Wert nicht exakt dem aufgedruckten Wert. Aus diesem Grund bietet sich eine Kalibrierung des Filters an. Dazu wird ein Bild einer weißen Mauer gemacht, wobei gleichmäßige Lichtverhältnisse vorherrschen müssen. Im Idealfall wird dies mit unscharfem Objektiv und manueller Fokussierung durchgeführt. Im Anschluss wird die gleiche Aufnahme mit einem aufgesteckten ND Filter und dem entsprechenden Verlängerungsfaktor gemacht. Sollten die beiden Peaks der Histogramme der Bilder nicht übereinstimmen, muss die Belichtungszeit verändert werden. Diese Differenz kann notiert und in Zukunft für weitere Bilder verwendet werden. Besonders bei langen Aufnahmen und starken Fotofiltern kann sie sich entsprechend auswirken.